Die Beatjugend ...

 

Mitte der 60er Jahre: musikversessene Jugendliche sind es leid, die Musik ihrer Idole immer nur auf Schallplatten zu hören – sie wollen diese großartigen Songs selbst spielen. Viele tausend Bands werden gegründet. Instrumente, die zumeist aus Geldmangel mehr an eine Skifflegruppe als an eine Beatband erinnern, werden angeschafft. Erste Erfolge stellen sich ein.

Dann wird einem alles eine Nummer zu groß, bei einem anderen meldet sich die Bundeswehr und ... und … und. Alles in allem ist dies eine Story, wie sie  vielfach in Deutschland erlebt wurde. 


Hier aber ist die ganz persönliche Story der "Boys" aus Essen.

 

Der Anfang ...

 

Der Ursprung der BOYS liegt in einer Jugendgruppe des CVJM in Essen-Borbeck. Wir schreiben das Jahr 1963. Gespielt wird mit Akustikgitarren, verstärkt über die Lautsprecher eines Plattenspielers und eines Tonbandgerätes. Der Drummer behilft sich noch mit  Waschbrett und Maracas, für’s erste geht’s auch so. Ein Sänger wird nicht benötigt, denn die Musik der SHADOWS ist das, was die Prä-BOYS lieben.


Die nächsten Schritte ...

 

Mit dem Beginn des neuen Jahres werden Entscheidungen gefällt. Zunächst einmal werden aus der namenlosen Band THE BOYS, benannt natürlich nach einem Titel der SHADOWS. 1964 geht als das Gründungsjahr der Band in die Geschichte ein. Die Mitglieder sind Wolfgang "Woogie" Gronau (Rhythmus-Gitarre), Helmut "Charlie" Singel (Solo-Gitarre), Alfred "Ali“ Knappmann (Rhythmus-Gitarre) und Heinz Kroll (Schlagzeug). Es wird in eine Anlage und in elektrische Gitarren investiert und da es am nötigen Geld mangelt, werden zunächst Instrumente der preiswerteren Klasse gekauft. Heinz muss sich sogar mit ausrangierten Kirmestrommeln begnügen.


Es geht richtig los ...

 

Woogies Freund Roland "Örpes" Klaar spielt Bassgitarre und macht allen glaubhaft, dass die Gruppe unbedingt einen Bassisten braucht. Prompt ist Roland nun dabei. Auch die Gitarren sind nun schon professioneller - Höfner und Framus sind schon nicht schlecht. Immerhin spielen Paul McCartney und Bill Wyman diese deutschen Instrumente.

 

Im Jahr 1965 ist man sich dann einig: "Genug geprobt! Auftritte müssen her!" Das ist  auch gar nicht schwer. Die Beatszene ist so riesig, dass eine Gruppe mit dem Format der BOYS immer gut zu tun hat. 


Dann der Schock! Nicht nur Achim Reichel von den Rattles muss zum Bund, auch Woogie hat seinen Einberufungsbescheid im Briefkasten. Doch Woogie bleibt der Band treu und ist an jedem Wochenende dabei. 

 

Mitte 1965 steigt Heinz Kroll aus. Da die BOYS aber mittlerweile echte Stars in der Essener Beatszene sind, ist ein neuer Drummer schnell gefunden: Hansi Kedziora trommelt nun bei den BOYS, und das sogar auf einem echten Sonor-Schlagzeug.

 

Das beflügelt die Mitmusiker, jetzt noch einmal richtig zu investieren. Woogie, Charlie und Roland kaufen sich wie ihre Idole Burns-Gitarren. Auch bei den Verstärkern rüstet man nun kräftig auf. Blackfield und Dynacord und später dann Vox sind die Marken, die man sich zulegt.

 


Der große Erfolg ...

 

Gleich nebenan hat Peter Jansen seine Band PETER UND DIE SANFTEN aufgelöst, bietet seine Dienste als Sänger an und steigt ein. Peter ist ein Sänger mit einiger Erfahrung und ein Frontmann mit einer markanten Stimme. Nun sind die BOYS keine reine Instrumentalband mehr.

 

Glücklicherweise kommt Woogie auch endlich vom Bund zurück. Jetzt kann es richtig losgehen. 

 

Die Jahre 1967 und 1968 sind die erfolgreichsten der Band. Beim großen Essener Beatfestival im Jahr 1966 im Jugendzentrum belegt die Band noch den zweiten Platz und schafft 1967 sogar den ersten Platz. THE BOYS dürfen sich nun Essens beste Beatband nennen.

 

Die Jungs begleiten die emporstrebende deutsche Schlagersängerin TANJA MAY. Diese tingelt 1967 mit ihrem "fast"-Hit "Das Wunder der Liebe" durch die Lande. So richtig schafft sie es aber nicht, erfolgreich zu werden.

 

Die BOYS dagegen machen ihre Sache gut und die Engagements regnen nur so herein. Mit den LORDS spielen sie Ende 1967 in der Grugahalle. Kurz darauf haben sie neben DAVE DEE, DOZY, BEAKY, MICK & TICH und DAVID GARRICK als Stars in der Dubois-Arena in Essen-Borbeck praktisch ein Heimspiel.


Das Ende ... ?

 

Doch leider kommen mit wachsendem Erfolg auch Probleme. Die Mitglieder der Gruppe wechseln nun stetig.

 

Hansi verlässt die Boys und wird von nun an durch eine ganze Reihe namenloser Schlagzeuger ersetzt. Ein Keyboarder steigt ein. Roland steigt familienbedingt aus und wird durch "Cara Mia"-Günter ersetzt (dessen Spitzname auf seiner tollen Stimme beruht).

 

Als die BOYS schließlich in den letzten Atemzügen liegen, erhalten sie noch ab Weihnachten 1968 ein Monatsengagement im Essener Carnaby Club, dem legendären "Litho-Club".


Anfang 1969 ist dann endgültig Schluss. Die Band löst sich auf. Peter macht noch weiter und tritt gelegentlich mit anderen Musikern oder auch mal solo auf. Auch Charlie ist der Musik verschrieben und macht das Hobby sogar zum Beruf. Die anderen konzentrieren sich in den folgenden Jahren auf Familie und Beruf.

 

Man könnte meinen, dass hier die Story der Boys endet. Falsch gedacht!


Neubeginn nach 35 Jahren ...

 

Irgendwann im Jahr 2004 trifft Woogie seinen alten Mitstreiter Charlie wieder. Erinnerungen an die schöne alte Zeit mit den BOYS werden ausgetauscht und der Wunsch wächst, die Band wieder auf die Beine zu stellen.

 

Alfred hört von der Idee und meldet sich sofort zur Stelle. Roland hat zwar seinen Burns-Bass nicht mehr, will sich aber sofort einen holen, wenn der Plan der Wiedervereinigung wahr wird. Auch Peter ist von der Idee der Wiedervereinigung begeistert. Schon bald können die ersten Proben beginnen.


Neue Erfolge ...

 

Im Jahr 2005 ist es dann soweit, die BOYS spielen tatsächlich wieder zusammen. Viele der alten Fans finden sich im "Bocholder Hof" in Essen-Borbeck zusammen, um ihren Idolen aus den 60er Jahren zuzujubeln.

 

Jetzt werden Pläne für die Zukunft geschmiedet, mit der Band wieder richtig durchzustarten. Vor allen Dingen Charlie, der Profimusiker, plant und arrangiert die passenden Songs. Die Geschichte der BOYS scheint nun tatsächlich wieder weiter zu gehen. Dann der Schock für alle: Charlie stirbt unerwartet. 


Doch, so schmerzhaft der Tod ihres langjährigen Freundes auch ist, jetzt soll der Plan erst recht weitergeführt werden. Alfred traut sich jedoch nicht zu, dauerhaft in einer Band Musik zu machen. Für ihn kommt Rolands Freund Wolfgang Lange als Rhythmusgitarrist und Sänger in die Band. Der bringt auch gleich für die Drums seinen Arbeitskollegen Alfred Hebing mit. Als weiteres Mitglied steigt Peter Wehr als Gitarrist und Sänger bei den Boys ein.

 

In dieser Besetzung sind die BOYS nun schlagkräftig wie damals und geben wieder Konzerte. Natürlich darf ein Auftritt im Fan-Mekka der BOYS, dem "Bocholder Hof", nicht fehlen. Im November 2007 finden sich alte und neue BOYS-Fans zusammen und feiern ihre Idole frenetisch.


Eine Namensänderung und der Weg zum

aktuellen Line-Up ...

 

Im Jahr 2008 fällt die Entscheidung, aus den BOYS die BOYS of '64 zu machen. Ziemlich schnell wird aus der Band eine gefragte Liveattraktion in Essen und Umgebung. Auf Stadtteilfesten, beim Tanz in den Mai, auf Sommerfesten und natürlich immer wieder im "Bocholder Hof" finden Auftritte statt.


2011 entscheidet Roland, dass er inzwischen eigentlich lieber mit der Bühnen- und Aufnahmetechnik hantiert als mit seinem Bass. Fortan steht er nicht mehr auf der Bühne. Nach kurzer Suche machen die BOYS of '64  einen echten Glücksgriff. Mit Valentin Schmeltzer findet sich nicht nur ein erstklassiger Bassist, sondern dank seiner musikalischen Fähigkeiten auch der lang ersehnte Keyboarder.


Mitte 2013 wirft Peter Wehr das Handtuch. Er schafft es einfach nicht mehr, seinen beruflichen Terminkalender mit den immer häufiger werdenden Auftritten der BOYS of '64 in Einklang zu bringen. Für ihn kommt Peter Gelsing, der auch schon seit den 60er Jahren in Essen Musik macht und nach dem Aus seiner Gruppe THE BATS gerne das Angebot, neben Woogie die Sologitarre zu spielen, annimmt.


Im August 2014 kommt es zu einem weiteren Wechsel: für Wolfgang Lange kommt Helmut Gottschalk in die Band. Helmut ist ebenso ein Kind der 60er-Jahre-Musik und kann auf eine lange musikalische Vergangenheit zurückblicken. Er ist ein großartiger Gitarrist und ergänzt Woogies und Peters Gitarrenspiel mit seinem Können. Aber auch gesanglich machen die BOYS of '64 einen Riesenschritt nach vorne, denn Helmut hat sowohl die perfekte Zweitstimme wie er auch eine weiterer toller Solosänger neben Peter ist.


4 Jahre später kommt es zu einer erneuten Änderung: Peter Jansen und Wolfgang "Woogie" Gronau verlassen die Band. Als neuer Sänger kommt Detlef Krause zu den BOYS. Da Detlef auch Baß spielen kann, entlastet er Valentin bei einigen Songs, so dass dieser sich seinen Keyboards widmen kann. 

 

So kann und soll es noch lange weitergehen ...